3. Internationales Kurzfilmfestival Oberschöneweide vom 14. bis 16. November 2008 im »Kino Spreehöfe« und in der »Kunstetage«
Eine Rückschau
Wir gratulieren den Gewinnern der Preise. Die Beiträge waren ebenso anspruchsvoll wie vielfältig und
humorvoll. Auf der After-Show-Party kam es zu vielen interessanten Diskussionen des Publikums mit den
Filmemachern.
Sehr positiv wirkte sich die Anwesenheit der vielen angereisten Filmemacher aus. So entstand eine echte Festivalatmosphäre und es ergaben sich viele interessante und inspirierende Gespräche und Kontakte zwischen Künstlern, Veranstaltern und Publikum.
Wir freuen uns, dass das Publikum und die angereisten Filmemacher das Kurzfilmprogramm und die After-Show-Party sehr genossen haben und über das positive Feedback durch Besucher und Filmemacher nach
dem Festival.
Wir freuen uns, dass das Festival in diesem Rahmen mit Unterstützung unserer Förderer Aktion Mensch –
Die Gesellschafter, Kulturamt des Bezirksamtes Treptow-Köpenick und Aktionsfonds Oberschöneweide
durchgeführt werden konnte.
Ebenfalls unverzichtbare Unterstützung erhielt das Festival durch Frau Weller, die Kinobetreiberin des »Kinos Spreehöfe« in Berlin-Oberschöneweide, die uns den Kinosaal 1 zur Verfügung stellte.
• Amateurfilme aus dem No-Budget-Bereich
Das Publikum hatte sichtlich Spaß an den kreativen und humorvollen und unterhaltsamen Beiträgen der
Independent-Filmszene. Angenehm überrascht waren wir von den Arbeiten der sehr ambitionierten und
kreativen Amateure, die nicht unbedingt die technische Ausstattung und Unterstützung einer Hochschule
hinter sich hatten und uns doch mit solider handwerklicher Arbeit und schöpferischen Werken überzeugten.
Bemerkenswert hierbei fanden wir: Falk Hühne – in Sachsen längst weithin bekannt und Lokalheld – mit
seiner Couchkartoffelshow – seine skurrilen Comic-Figuren in ihrem absurden Universum bewegten das
Publikum zu Heiterkeitsausbrüchen. Ebenso erwähnenswert hier „Bernadette Resteessen“ von Timo Kloss –
ein Beitrag über Drogeneinnahme und Folgen – genial in Szene gesetzt vom Filmteam aus Neukölln.
Highlights in dieser Sparte ebenfalls „Ich/Me“ von Evelyn Mugalu aus Köln und „Familienschaukel“ von
Tobias Wiemann. Bei letzterem Werk verwirklichten unabhängige No-Budget-Filmer die Vorgabe, einen
Kurzfilm von 5 Minuten zu drehen, der auf einem Spielplatz spielt – Ergebnis war dieses ebenso
hintergründige wie lustige und beeindruckende Werk über zwischenmenschliche Verirrungen aus dem
Prenzlauer Berg.
Ein echter Höhepunkt hierbei der Beitrag von Knorkator: „Na zieh's raus“, der uns gerade noch rechtzeitig
erreichte. Ein extrem sehenswerter Spot aus der Reihe „Laut gegen Rechts“ - hiermit nicht nur Fans der
Musikformation Knorkator empfohlen.
Doch auch die nachdenklich stimmenden Beiträge fanden den Beifall der Zuschauer – gerade auch wenn es um Themen wie Behinderung, Armut, Einwanderung und Teilhabe an der Gesellschaft ging. Als beeindruckendes Beispiel sei hier „David“ von Sebastian Thalheim genannt – eine Kurzdokumentation über den ecuadorianischen Studenten David Zea in Berlin und seine Sicht auf die westliche Überflussgesellschaft oder auch das herausragende Werk „Was übrig bleibt“ von Fabian Daub und Andreas Gräfenstein aus Hamburg über die postsozialistische Tristesse und das Überleben in den polnischen Kohlebergbaugebieten um Walbrzych.
Internationale Atmosphäre entstand beim Festival durch die wundervollen Beiträge aus Slowenien,
Österreich, der Schweiz, Neuseeland, Australien, Italien und Spanien. Diese Filmemacher bereicherten das
Festival mit Ihren Beiträgen:
Alfonso Camarero „A Xinecóloga“ (Spanien); Fabio Dentella „Life Game“ (Italien); Barbara Seiler „Death by
scrabble“ (Schweiz); Zirek Miral und Jamal Ibrahim „Looking for God“ (Irak); Aaron Wilson „Feng (Wind)“
(Australien); Fiona Pinkernell „You should have been here yesterday“ (Neuseeland); Christian Filek
„Occupied“ (Österreich). Nicht zuletzt möchten wir die Werke „Magic in the family“ und „Cika“ (eine Roma-Generationengeschichte) aus Krsko in Slowenien hervorheben.
• Studentische Filme
Wir konnten die oft prämierten Abschluss- und Semesterarbeiten von Studenten renommierter Film- und
Medienhochschulen (Kunsthochschule für Medien Köln, Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, Filmakademie Baden-Württemberg und Münchner???, Bauhaus-Universität Weimar, Hamburg
Media School, Filmhochschule Zürich) präsentieren. Diese Arbeiten waren handwerklich und dramaturgisch
professionell ausgeführt, vermittelten schöne, ernste und auch schräge Themen. Stellvertretend für viele
wollen wir in diesem Bereich als Highlights nennen:
„Dunkelrot“ (Frauke Thielecke), „Ein Abend außer Haus“ (Markus Beck)und „Nicht nah genug“ (Michael
Venus). Diese Beiträge gewannen den Sonderpreis der Jury für die herausragenden Filmbeiträge des 2.
Semesters der Hamburg Media School.
Ebenso ein äußerst sehenswerter Beitrag war das Werk „Paradiso“ von Marcel Schulze (Merz-Akademie
Stuttgart), in dem das Stranden immer neuer afrikanischer Flüchtlinge vor der spanischen Küste eindringlich
thematisiert wird.
• Jugendfilmfest Freitag
Bei diesem Bestandteil des Festivals reichten Jugendliche bis zu 18 Jahren ihre selbst produzierten Filme
ein. Aus einer Vielzahl von Einsendungen wurden Beiträge aus Schwäbisch Hall, Hamburg, Siegen, Berlin
und Rostock ausgewählt. Besonders beeindruckten die Filme „Das Trio“, ein Film, basierend auf
tatsächlichen Ereignissen, über die Probleme junger Migranten in Baden-Württemberg, und die einfühlsame
Dokumentation „Ohrwürmer“, in dem behinderte Jugendliche aus Rostock ihre Lieblingsbands vorstellen. In
beiden Beitrag ging es wiederum um Integration und Teilhabe an der Gesellschaft.
• Kinderfilmfest Sonntag
Sichtlich Spaß hatten Kinder und Eltern am Sonntag im Kino, die Kinderfilme, die die Kinder z.T. selbst
produziert hatten, auf der Leinwand zu sehen. Jedes Kind erhielt einen kleinen Preis, es gab Geld,
Kinokarten und Gummibärchen zu gewinnen.
Es wurden Filme der Medienwerkstatt Rostock, des Filmclubs Gera-Pforten, des Jugendfilm e.V. Hamburg
und Berliner Beiträge (Spreefilmkinder, Filmworkshop Lenau-Grundschule Kreuzberg) eingesandt. Die
Kinder waren als Detektive, Ganoven, Fee und in vielen anderen Rollen auf der Leinwand zu erleben. Auch
lustige und erstaunlich gut produzierte Trickfilme wurde gezeigt.
Alle Filmemacher waren nicht älter als 13 Jahre und verwirklichten Ihre Filme größtenteils unter
medienpädagogischer Begleitung.
Besonders hervorheben wollen wir den Beitrag „Neun Berge“, ein Märchen welches Kinder einer Kita in
Rostock gedreht haben – sie waren unsere jüngsten Teilnehmer.
In verschiedenen Filmworkshops hatten Kinder die Gelegenheit, ihren eigenen Trick- und Videofilme zu
drehen. Von der Idee bis zum fertigen Film waren die Kinder als Drehbuchautoren, Regisseure,
Schauspieler, Kamerakinder und Synchronsprecher gefragt. Das Ergebnis auf der Leinwand zu sehen,
beeindruckte die Kinder und stärkte sie in Ihrem Selbstbewusstsein, förderte Teamgeist und Zusammenhalt.
Im Übrigen nahm das Thema Meerschweinchen bemerkenswert viel Raum ein.
Wir danken allen Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern!
Ulrike Hoffmann und Janet Güttel
Die Preisträger 2008:
Jugendwettbewerb
- „Das Finale“ (Zora Rux)
- „Briefverkehr(t)“ (Florian Mühl, Ioannis Petridis)
- „Das Trio (Falko Hildebrand)“
Freestyle Wettbewerb Freitag
- „Dentissimo“ (Maurice Hüsni)
- „ROFL“ (Dave Lojek)
- „David“ (Sebastian Thalheim)
- Sonderpreis der Veranstalter für die am weitesten angereisten Filmemacher mit dem wunderbaren Film „Unsichtbar“ (Sebastian Wotschke)
Wettbewerb Samstag
- „Mit anderen Augen/Seifenblasen“ (Andreas Grützner)
- „Paradiso“ (Marcel Schulze)
- „Abbild“ (Anja Sommer)
- Sonderpreis der Jury für die herausragenden Filmbeiträge des 2. Semesters der Hamburg Media School „Dunkelrot“ (Frauke Thielecke), „Ein Abend außer Haus“ (Markus Beck) und „Nicht nah genug“ (Michael Venus)
Kinderwettbewerb Sonntag:
- „Verrückt nach Meerschweinchen“ (6. Klasse der Lenau-Grundschule Kreuzberg)
- „Mausi, Kitty und Schnuffi im Weltall“ von den Spreefilmkindern
- „Die Suche nach dem Meerschweinchen“ von den Spreefilmkindern