Pressemitteilung
Das 3. internationale Kurzfilmfestival Oberschöneweide wurde vom 14. bis 16. November 2008 im »Kino Spreehöfe«, Wilhelminenhofstraße 89 a, 12459 Berlin und in der benachbarten »Kunstetage« veranstaltet. Unser Festival basiert auf der Idee, eine Plattform für innovative, kreative und überraschende Filmideen zu schaffen.
Finanziell unterstützt wurden wir 2008 durch Fördermittel der Aktion Mensch – die Gesellschafter, durch Mittel der dezentralen Kulturarbeit des Bezirksamtes Treptow-Köpenick und durch Mittel des Aktionsfonds Oberschöneweide. Im Programm wurden wie in den letzten beiden Jahren wieder sehr sehenswerte und anspruchsvolle Werke mit Tiefgang präsentiert, die sich vielfach gesellschaftlichen Problemen widmen und diese auf originelle Weise abbilden. Insbesondere werden immer viel diskutierte Themen wie Migration, Behinderung, Teilhabe an der Gesellschaft und ethische Fragen thematisiert und durch das Medium Kurzfilm kommuniziert.
Beispielhaft dafür ein Beitrag aus Australien: „Feng (Wind)“ von Aaron Wilson: Zwei Menschen aus zwei Ländern, die die Erfahrung der Einsamkeit im Alter teilen. Der Film gewann bereits die Auszeichnung als bester Kurzfilm beim Kuala Lumpur International Film Festival (Malaysia).
Auffallend viele Filme setzen sich in diesem Jahr mit dem Thema Altern und der Stellung älterer Menschen in der Gesellschaft auseinander. So auch „Großvater“ ,eine freie Arbeit von Patrick Dollmann: Dem alten Großvater fällt es schwer, mit seinen zittrigen Händen sauber zu essen. Daher wird er eines Tages vom Familientisch in die Ecke verbannt. Seine kleine Enkelin ist darüber sehr traurig und verpasst den Eltern einen treffenden Denkzettel.
Ein Plädoyer für Menschlichkeit und gegen Anonymität, für Geselligkeit und gegen Einsamkeit ist auch das Werk „Einsam“ von Dimitry Rachmann. „Das Drehbuch hat mich sofort begeistert“, sagt Jörg von Liebenfelß. Der 77-jährige Schauspieler, der schon mit Maria Schell und Regiegrößen wie Rainer Werner Fassbinder zusammenarbeitete, hat die Rolle des Klaus-Günther Herz übernommen, der Hauptfigur in »Einsam«. Herz ist seit Kurzem Rentner. War sein Alltag bisher immer von seiner Arbeit als Buchhalter geprägt, ist es nun vor allem der Kampf gegen die Einsamkeit, die den Tagesablauf des liebenswerten alten Mannes prägt.
Ein weiteres Highlight des Festivals waren die drei Beiträge von Andreas Grützner, die mit Hilfe der Evangelischen Stiftung Alsterdorf realisiert werden konnten. Diese bietet vielfältige Assistenz- , Wohn-, Förder- und Beschäftigungsangebote für Menschen mit Behinderung in Hamburg und Umgebung an. Mit viel Gefühl begleitet der Filmemacher Bewohner der Einrichtung, von denen er drei eindrucksvoll portätiert: Frau G. gilt als psychisch behindert. Das Filmteam wurde von ihr eingeladen, sie einen Tag lang zu begleiten. Frau Grönigs Leidenschaft für Motoren sowie ihre charmante Art Kontakt aufzunehmen, ziehen den Betrachter schnell in ihre Welt. Herr U., 79 Jahre, hat in seinem Leben die Kunst des Seifenblasenmachens perfektioniert. Jonas Technau ist leidenschaftlicher FC St. Pauli-Fan. Mitten im Stadion unter den sehr begeisterten Fans verfolgt er in seinem Rollstuhl jedes Heimspiel. Das Stadion ist seine Heimat und von dieser Heimat und Leidenschaft erzählt dieser Film.
Beeindruckend war auch das Porträt von Sebastian Thalheim über den ecuadorianischen Studenten David Zea, der die Veränderung, die er sich für die Welt wünscht, durch das eigene Handeln erreichen will – und mit Mut, Engagement und Zivilcourage anfängt, die Welt ein klein wenig zu verbessern.
Wir freuten uns, den Film „Butze“ von Bärbel und Elisa Klement, einer Produktion der filmArche, zeigen zu können. Die filmArche ist die erste selbstorganisierte Filmschule Europas. Über 130 Filmschaffende treffen sich hier regelmäßig, um sich gemeinsam fortzubilden. Darüber hinaus ist die filmArche auch ein Netzwerk nach innen und außen, das vielfältige Kontakte zur Filmbranche, kulturellen Einrichtungen und im internationalen Bereich pflegt. Erwähnenswert ist auch der Film „Paradox“ . Ein Science-Fiction-Kurzfilm nach einem Drehbuch und unter der Regie von Marc Steinicke. Martin Wiese vom Aurora-Musiklabor komponierte den Soundtrack für diesen 15 minütigen Effekt-Kracher, in dem der junge Tom dem Phänomen des Zeitparadoxons auf die Schliche kommen will: Was passiert, wenn man in die Vergangenheit reist, um sein jüngeres Pendant zu ermorden? Und natürlich „Occupied“ ein österreichischer Kurzfilm von Christian Filek, der bereits auf diversen renommierten Kurzfilmfestivals gelaufen ist und zahlreiche Preise gewonnen hat - wenn jemand eine Reise tut ... dann kann er was erzählen - oder besser nicht!
Auf unserem Festival sind zum einen Filme vertreten, die im Rahmen der Produktion über eine finanzielle Ausstattung verfügten – in der Regel Semesterarbeiten der Filmhochschulen und Medienakademien (Auswahl: HFF Potsdam, Fachhochschule Mainz, Merz Akademie – Hochschule für Gestaltung Stuttgart, Bauhaus-Universität Weimar, Filmwerkstatt München, Filmakademie Baden-Württemberg, Medienakademie WAM Dortmund, Zürcher Hochschule der Künste und German Filmschool Berlin).
Zum anderen präsentieren sich auf dem Festival Gruppen von Filmproduzenten, die nicht den finanziellen Ausstattungsgrad einer Hochschule oder vergleichbaren Institution hinter sich haben – Filmer, die mit viel Einsatz und niedrigem Budget überraschende und engagierte Filme produzieren. Stellvertretend für diesen Bereich sollen hier nur genannt sein: die Gruppe Slatan Dudow, Inutilis, filmArche und Kino Berlino.
Durch die internationalen Beiträge wird das Festival um Themen bereichert, die sich mit globalen Problemen auseinandersetzen und den typischen Charakter und nicht zuletzt Humor ihrer Region in der filmischen Umsetzung wiederspiegeln. Hier werden insbesondere kulturelle Differenzen und Gemeinsamkeiten weltweit vermittelt.
Das Festival trägt damit dazu bei von Berlin aus den überregionalen und internationalen kulturellen Dialog aufzunehmen und zu festigen.
Die Filmemacher werden aus den Erfahrungen der letzten Jahre heraus zum großen Teil beim Festival vor Ort sein und im Rahmen der Kommunikationsplattform Kunstetage nach den screening im Kino Fragen zu ihrem Film beantworten und mit dem Publikum sprechen können. Die Besucher können so ganz unmittelbar einen Eindruck der aktuellen, kreativen Filmszene gewinnen.
Im Anschluss an die beiden Filmabende ("Freestyle Contest" am Freitag und "Wettbewerb" am Samstag) luden wir daher alle anwesenden Gäste in die »Kunstetage in den Spreehöfen«, Edisonstraße 63, Spreehöfe, Aufgang D, 3. Stock ein, um dort den kommunikativen Teil des Kurzfilmfestivals inklusive performativer Preisverleihung zu erleben.
Der Sonntag gehörte wie in den Vorjahren den Kindern: ab 16:00 Uhr präsentieren wir Kurzfilme von Grundschülern, die Preisverleihung fand nach der Vorstellung im Kino statt.
Die Mitwirkung der Kinder stand dabei im Vordergrund, da sie selbst unter medienpädagogischer Anleitung Kurzfilme zu gesellschaftlich relevanten Themen produzieren. Darin kommt auch der Bildungsanspruch zum Ausdruck.
Durch die aktive Beteiligung der Kinder, durch den Erwerb von Fähigkeiten im Umgang mit dem Medium Film wird das Zusammengehörigkeitsgefühl gestärkt und kooperatives Arbeiten gefördert. Den eigenen produzierten Film zu präsentieren, auf der Leinwand zu sehen, stärkt das Selbstvertrauen und lässt das Kind Anerkennung der eigenen Leistung erfahren. Die Kinder werden von bloßen Medienkonsumenten zu aktiven Medienproduzenten und können auf diese Art und Weise Themen reflektieren, die sie bewegen. Diesen Filmen bieten wir mit dem Kinderwettbewerb des Kurzfilmfestivals ein Podium.